Einleitung
VisualARQ ist eine Architektur-Erweiterung für Rhinoceros, die entwickelt wurde, um Architekt:innen strukturierte, BIM-nahe Werkzeuge innerhalb von Rhino-basierten Entwurfs- und Planungsworkflows bereitzustellen. Dieser Beitrag ist eine redaktionell überarbeitete Fassung eines Interviews aus dem Jahr 2016 mit Francesc Salla, Produktmanager bei Asuni, dem Entwickler von VisualARQ und Lands Design.
Beruflicher Hintergrund
Francesc Salla ist ausgebildeter Architekt und schloss sein Studium an der Escola Tècnica Superior d’Arquitectura del Vallès (UPC) im Jahr 2008 ab. Zum Zeitpunkt des Interviews war er seit mehreren Jahren bei Asuni tätig und verantwortete dort die Produktentwicklung von VisualARQ sowie Lands Design, einer Erweiterung für Landschaftsplanung in Rhino.
Diese architektonische Ausbildung hatte maßgeblichen Einfluss auf die Konzeption und Weiterentwicklung von VisualARQ.
Warum VisualARQ entwickelt wurde
VisualARQ befand sich zum Zeitpunkt des Interviews bereits seit über zehn Jahren in Entwicklung. Ausgangspunkt waren konkrete Anforderungen von Architekt:innen, die Rhino für Entwurf und Modellierung nutzten, jedoch strukturierte Werkzeuge für Architektur, Bauteillogik und Dokumentation benötigten.
Das Projekt begann ursprünglich – unter einem anderen Namen – als Plug-in für AutoCAD mit parametrischen 2D-Funktionen. Die spätere Integration in Rhino markierte einen entscheidenden Schritt hin zu 3D-Modellierung und BIM-nahen Architektur-Workflows.
Zielgruppen und Anwenderprofile
VisualARQ richtet sich an ein breites Spektrum professioneller Anwender, darunter Architekt:innen und Innenarchitekt:innen, Ingenieur:innen und BIM-Berater:innen, Planer in spezialisierten Bereichen wie dem Yacht- oder Sonderbau sowie klassische CAD-Anwender, die den Schritt von 2D-Zeichnung zu BIM-orientierten Workflows gehen möchten.
Die meisten Anwender arbeiten bereits mit Rhino oder planen, Rhino als zentrale Entwurfsplattform einzusetzen.
Zentrale Vorteile von VisualARQ
Eine der größten Stärken von VisualARQ liegt in der vollständigen Integration in die Benutzeroberfläche von Rhino. Anstatt ein separates System einzuführen, erweitert VisualARQ Rhino um architektonische Intelligenz.
Die wichtigsten Vorteile lassen sich in drei Bereiche gliedern: BIM-basierte Architekturbauteile, die das 3D-Modellieren vereinfachen und beschleunigen, automatische 2D-Ableitungen aus dem 3D-Modell sowie IFC-basierter Datenaustausch für den Import und Export von BIM-Modellen zwischen Rhino und anderen AEC-Anwendungen.
VisualARQ und Grasshopper
Grasshopper ist keine Voraussetzung für die Arbeit mit VisualARQ, ergänzt den Workflow jedoch sinnvoll. VisualARQ stellt spezielle Grasshopper-Komponenten bereit, mit denen BIM-Objekte direkt innerhalb parametrischer Definitionen erzeugt werden können.
Zum Zeitpunkt des Interviews war vorgesehen, diese Integration weiter auszubauen und die Ableitung von Objektstilen direkt aus Grasshopper-Definitionen zu ermöglichen.
VisualARQ 2.0: Erwartungen zur damaligen Zeit
Die damals angekündigte Version VisualARQ 2.0 wurde als wichtiger Entwicklungsschritt beschrieben. Zu den zentralen Erwartungen zählten die Erzeugung benutzerdefinierter parametrischer Objekte aus Grasshopper-Definitionen, eine vektorbasierte 2D-Ausgabe direkt aus dem 3D-Modell sowie die Unterstützung benutzerdefinierter Eigenschaften und Auswertungstabellen.
Ausblick aus damaliger Sicht
Bereits zum Zeitpunkt des Interviews war eine mögliche Umsetzung von VisualARQ für macOS Thema. Die Realisierung hing jedoch von der Verfügbarkeit eines öffentlichen Rhino-for-Mac-C++-SDKs ab, das die technische Grundlage für eine solche Portierung bilden würde.