Herr Hamacher, ich kenne Sie noch als Studenten. Erzählen Sie mir ein wenig von sich und was Sie aktuell machen.

Ich habe an der Fachhochschule Trier Architektur studiert. Seit drei Jahren bin ich als Planer und Architekt tätig und lebe überwiegend von lokalen Aufträgen. Zum größten Teil betreue ich Kunden aus der Region rund um Trier.

Ich schaue auf Ihren Bildschirm und erkenne sofort Rhino 3D wieder. Warum arbeiten Sie auch nach dem Studium mit Rhino? Wird man als Architekt mit dem „Nashorn“ überhaupt ernst genommen?

Die Zeiten haben sich geändert. Rhino ist seit Version 4 mein Brot-und-Butter-Zeichenprogramm. Es ist erwachsen geworden, weiterhin bezahlbar, und ich kann praktisch alles damit machen.

Meine Rhino-5-Lizenz konnte ich noch im Rahmen einer großen SchoolKit-50-Aktion kurz vor meinem Diplom bestellen. Das war eine Sammelbestellung unseres Fachbereichs Architektur. Damals kamen fünfzig vergünstigte Lizenzen als Paket an. Etwa 100 € hat jeder Studierende investiert. Entsprechend groß war die Freude.

Auch nach dem Studium darf ich die Lizenz im kommerziellen Berufsleben weiter nutzen. Das ist für Berufseinsteiger ein großer Vorteil.

Verstehe. Aber Rhino allein kann doch kaum für die Planung ausreichen. Als konzeptioneller Modellierer ist es ideal für Wettbewerbe, aber wie sieht es mit der Weiterbearbeitung über die Leistungsphasen hinweg aus?

Ich nutze von Anfang an die Erweiterung VisualARQ. Hier sehen Sie die Symbolleisten des Plugins. Es ist vollständig in Rhino integriert. Typische Elemente der Architekturplanung lassen sich intuitiv erzeugen und parametrisch verändern.

Welche Funktionen schätzen Sie besonders an VisualARQ?

Darstellungsmodi

VisualARQ bringt einen eigenen Darstellungsmodus namens „Hidden“ mit. Dieser eignet sich gut für planmäßige Darstellungen von Wänden, Türen oder Treppen, da er anders als „Schattiert“ saubere Linienzeichnungen erzeugt.

Leider gibt es hier noch kleinere Bugs. Beispielsweise rutschen beim Selektieren gelegentlich Objekte durch. Deshalb nutze ich diesen Modus im Alltag kaum noch und arbeite überwiegend mit den aus dem Modell generierten Zeichnungen.

Schnitte und Grundrisse

Schnitte werden in VisualARQ, ebenso wie Grundrisse, direkt aus der 3D-Geometrie als 2D-Zeichnung erzeugt. Diese werden als Blöcke angelegt und lassen sich nach Modelländerungen relativ einfach aktualisieren, solange sie nicht gesprengt werden.

In der Praxis sprenge ich sie gelegentlich, um Details manuell anzupassen. Besonders bei mehrschichtigen Wandkonstruktionen können kleinere Darstellungsprobleme auftreten, die sich aber meist schnell korrigieren lassen.

Räumliche Schnitte lassen sich ebenfalls erzeugen. Dabei bleibt das 3D-Modell hinter der Schnittebene sichtbar. Das ist hilfreich, um räumliche Zusammenhänge oder Lichteinfall darzustellen.

Mauern

Wände sind eigenständige Bauteile mit mehreren Konstruktionsschichten. Anfangs muss man sich in das Verhalten dieser Schichten bei Wandanschlüssen einarbeiten. Danach funktionieren Türanschlüsse, Wandverbindungen oder Fassadenöffnungen sauber.

Die einzelnen Schichten können eigenen Layern, Materialien und Schraffuren zugewiesen werden. So lässt sich beispielsweise eine F90-Brandschutzwand direkt im Wandtyp farblich kennzeichnen oder der Dämmung eine eigene Schraffur geben.

Fenster und Türen

Fenster und Türen sind reguläre Bauteile, die automatisch Öffnungen in Wänden erzeugen. Besonders praktisch ist die Möglichkeit, eigene 2D- und 3D-Symbole zu hinterlegen.

So kann etwa ein Flügelfenster mit Mittelsteg als 2D-Symbol dargestellt oder eine individuelle, nicht rechteckige Tür eingesetzt werden. Wenn die Wandaufbauten sauber definiert sind, schließen die Dämm- und Konstruktionsschichten entsprechend an.

Fassadenöffnungen

Fassadenöffnungen funktionieren ähnlich wie Fenster, ermöglichen aber komplette Fassadensysteme. Pfosten-Riegel-Konstruktionen oder regelmäßige Öffnungsraster lassen sich damit schnell modellieren.

Ich habe das Tool beispielsweise genutzt, um doppelwandige Akustik-Glaswände für ein Büroprojekt zu erzeugen.

Treppen

Der Treppengenerator ist gut nutzbar. Wendel- und Podesttreppen lassen sich über Kontur, Geschosshöhe und Steigungsverhältnis schnell erzeugen. Details wie Stufenaufbau oder Materialstärken sind editierbar.

Listen und Auswertungen

Bauteile, laufende Meter, Wandflächen, Raumgrößen oder Stückzahlen lassen sich automatisch ausgeben. Das ist eine enorme Erleichterung gegenüber klassischen 2D-Workflows.

Wer früher Grundrisse in AutoCAD oder Rhino 2D gezeichnet und anschließend Mengen ermittelt hat, weiß den Unterschied zu schätzen.

Würden Sie die Investition in VisualARQ weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Nach einer gewissen Einarbeitung ist es ein deutlich zeitsparendes Tool, dessen Kaufpreis sich meist schon nach ein bis zwei kleineren Projekten amortisiert.

Während kleine Einfamilienhäuser noch überschaubar „klassisch“ gezeichnet werden können, würde ich kein Gebäude mit mehreren Wohneinheiten ohne VisualARQ planen wollen. Für alle, die mit Rhino arbeiten und regelmäßig Grundrisse, Schnitte und Ansichten erstellen müssen, kann ich es nur empfehlen.

Haben Studierende außer dem niedrigen Preis noch weitere Vorteile?

Ja. Man investiert früh in ein ernstzunehmendes Planungstool und kann damit direkt kommerziell arbeiten. Für viele Studierende ist das ein wichtiger Vorteil.

Herr Hamacher, vielen Dank für das Gespräch!